1,30 € vs. 2.000.000 € – Eine Lehrstunde zu deutschem Recht

Nun ist sie – durch letztinstanzliches Urteil bestätigt – ihren Job endgültig los. Wegen des dringenden Verdachts, 1,30 € Pfand (!) unterschlagen zu haben, wurde eine Kassiererin entlassen. Wohl gemerkt: wegen des dringenden Verdachts…das heißt für mich: bewiesen wurde es nicht. Solange die Schuld nicht eindeutig nachgewiesen ist, gilt doch meines Erachtens die Unschuldsvermutung, oder?

Szenenwechsel: an einem Klinikum konnte ein verbeamteter Arzt an mehreren Patienten herumpfuschen, eine Entlassung war jedoch nach Beamtenrecht nicht möglich. Man einigte sich auf einen Vergleich: der Arzt reichte die Kündigung ein und strich dafür eine Abfindung in Höhe von 2 Millionen € ein. Praktizieren darf er nicht mehr, dafür aber in der Karibik bis an sein Lebensende Cocktails trinken.

Die eine wird durch die mutmaßliche Unterschlagung von 1,30 € zur potenziellen Hartz-IV-Empfängerin, der andere durch Ärztepfusch zum Millionär! Pfeif auf die Moral…

P.S.: Interessanterweise war besagte Kassiererin gewerkschaftlich recht aktiv und damit ihrem Arbeitgeber möglicherweise unbequem. Mich würde es nicht wundern, wenn da ein »Fall« aufgebaut wurde.

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