Gibt es nationalsozialistische Gartenzwerge?

Da wird nun der Kunstprofessor Ottmar Hörl von der vollen Wucht der Staatsgewalt getroffen, weil er einen Gartenzwerg aufgestellt hat, der den Arm zum Hitlergruß erhoben hat…

Und warum ist die Ermittlung gegen ihn angelaufen? Weil ein anonymer (!) Briefschreiber sich über den Gartenzwerg beschwert hat. Nebenbei bemerkt: wenn man sich schon darüber aufregt, dann aber bitte unter eigenem Namen – soviel Courage muss sein. Anonymes Anschwärzen hatte wir in der deutschen Geschichte schon genug…

Für mich wäre die Antwort auf die Frage ganz interessant: was wäre im Dritten Reich passiert, wenn ein Zeitgenosse im Garten einen solchen Zwerg aufgestellt hätte? Wahrscheinlich wäre er ins KZ gekommen, weil er Symbole des Nationalsozialismus ins Lächerliche gezogen hat…

Und jetzt wird gegen Hörl ermittelt, weil er -nach meiner Meinung- genau das tut?

Ich würde mir etwas mehr Differenziertheit im Umgang mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte wünschen: Härte dort, wo offensichtlich braunes Gedankengut zur Schau gestellt wird, Gelassenheit dort, wo Symbole des Nationalsozialismus ins Lächerliche gezogen oder für offensichtlich antifaschistische Aktionen verwendet werden.

Übrigens: im Rahmen der Aufarbeitung des Nationalsozialismus sollte z.B. auch Hitlers Buch „Mein Kampf“ behandelt werden, um ein tieferes Verständnis gerade bei jungen Menschen zu entwickeln, wie Indoktrination und Diktatur funktioniert!

In meiner Schulzeit wurde der Nationalsozialismus, seine Entstehung und Mechanismen ausführlich behandelt…und ich bin meinem damaligen Deutsch- und Geschichtslehrer dankbar dafür. An eines erinnere ich mich auch noch: mein Lehrer meinte damals, dass „Mein Kampf“ quasi das „Regierungsprogramm“ Hitlers beschreibe und die Verbrechen des Hitler-Regimes vorwegnähme…

One Reply to “Gibt es nationalsozialistische Gartenzwerge?”

  1. Der Umgang mit den unangenehmen Teilen unserer Vergangenheit faellt den Deutschen schon sehr schwer. Es gibt kein Patentrezept dafuer, soviel ist klar. Dass Verharmlosung, Verklaerung und Verherrlichung der Geschehnisse waehrend der Zeit des Nationalsozialismus inakzeptabel sind, steht ausser Frage.
    Wie aber geht man mit Verhohnepipelung (hoffentlich habe ich das jetzt richtig geschrieben, ich denke das kommt von „Verhoehnung“) um ?
    Ich persoenlich glaube, ein Gartenzwerg ist zunaechst ein Symbol.
    Mir fallen dazu ad hoc Begriffe wie „Idylle“, „Kitsch“ und „Spiessigkeit“ ein.
    Mit „Humor“ ist der Gartenzwerg bei mir nicht besetzt, obwohl ich mir vorstellen kann, dass dieser Begriff insbesondere bei „normalen“ Gartenzwergbesitzern einen vorderen Platz in deren Assoziationskette einnehmen koennte.
    Da es nichts zu lachen gaebe, wenn alle Leute ueber die gleichen Dinge lachen wuerden, benoetigen wir Menschen mit Ueberblick, die in der Lage sind, die Gratwanderung zwischen Ironie und Beleidigung zu meistern.
    Den Heilwicht einfach, sozusagen kommentarlos in den Garten zu stellen, ist aber noch lange keine Ironie. Dieser Grat ist sehr schmal.
    Selbst wenn ich wuesste, dass der Garten einem Ueberblicker gehoert, waere mir die Wahrscheinlichkeit der Missdeutung zu hoch.
    Jemanden wie Dieter Hildebrandt wuerde ich ggf. als Ausnahme akzeptieren.
    Da gaebe es keine Auslegungsprobleme.

    Bei Hinz und Kunz hat das Teil nichts im Vorgarten verloren.
    Aber das ist, wie gesagt, meine persoenliche Meinung.

    Juergen

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