35 Jahre unschuldig im Knast in USA und Deutschland

In „Menschen 2010“ (moderiert von Thomas Gottschalk am letzten Samstag) wurde das Schicksal eines farbigen US-Amerikaners geschildert, der 35 Jahre unschuldig wegen eines Mordes im Gefängnis saß, den er nicht begangen hatte – zum Glück war das Urteil nicht vollstreckt worden.

Nun wurde in einem wiederaufgenommenen Gerichtsverfahren -aufgrund von DNA-Spuren- seine Unschuld bewiesen. Ein tragischer Fall, den man sehen mag, wie man will (Stichwort: Rechtssystem der USA). Was mich aber doch wütend macht: in den USA wurden dem Rehabilitierten über eine Million Dollar Entschädigung zugesprochen. Laut Thomas Gottschalk hätte er in Deutschland für diesen Justizirrtum sage und schreibe 51.000 € erhalten. Für Unterbringung und Verpflegung hätte man ihm einen Tagessatz von 7,- Euro in Rechnung gestellt, wobei ich davon ausgehe, dass diese unfreiwillige staatliche „Kost und Logis“ in der Entschädigungssumme schon abgezogen ist, sonst müsste er ja noch was draufzahlen (7 €/Tag x 365,25 Tage/Jahr x 35 Jahre = ca. 89.500 €), oder sind vielleicht sogar noch Steuern auf die 51.000 € fällig? Ausgeschlossen wäre das bei dieser Entschädigungsregelung nicht 😉

Weil ich das genauer wissen wollte, habe ich in Wikipedia, der „Bibel der Wissensdurstigen“, nachgeschlagen. Dort findet man über die Entschädigungshöhe in Deutschland:

Stellt sich nachträglich heraus, dass ein Justizirrtum vorliegt, so erhalten die Betroffenen abhängig von der Haftdauer eine Entschädigung für die Haftzeit. Von dieser Summe wird eine Pauschale für die tägliche Verpflegung abgezogen. Die Entschädigung beträgt zur Zeit 11 EUR pro Hafttag.

Das ergibt eine Bruttoentschädigung von 11 €/Tag x 365,25 Tage/Jahr x 35 Jahre = ca. 140.600 €, was -unter Berücksichtigung der oben genannten Zahlen- stimmig ist: 140.600 € – 51.000 € = 89.600 €. D.h. 64 % -fast zwei Drittel- der Brutto-Entschädigungssumme erhält der Staat für „Kost und Logis“ zurück. Nett, nicht?

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass der Verurteilte in den 35 Jahren vermutlich nicht nur untätig herumsaß, sondern z.B. Wäsche für Kunden der JVA gewaschen, oder Wurzelbürsten, Tüten, Christbaumschmuck und dergleichen hergestellt hat (natürlich zu einem konkurrenzlos günstigen Stundenlohn) und diese Dienstleistungen und Waren verkauft wurden, ist so ein Justizirrtum eigentlich eine ganz lukrative Sache für den Staat…Nicht jedoch in USA, und das gibt mir jetzt zu denken…

Und welche Perspektiven hätte vermutlich solch ein „Strafgefangener“ nach seiner Entlassung in Deutschland? Ex-Knacki (der Hintergrund interessiert die Wenigsten), keine vernünftige Ausbildung, Familien- und Lebensplanung zerstört – vermutlich nur noch Hartz IV!

Übrigens: vor Kurzem fand in Frankreich der Gerichtsprozess wegen des Concorde-Absturzes statt. In erinnere mich, dass schon damals, wenige Tage nach dem Absturz, Juristen gemeint hätten, trotz all der Tragik und des Schmerzes der Angehörigen der deutschen Passagiere könnten diese jedoch noch von „Glück“ sprechen, dass ihre Entschädigungen nach französischem und nicht nach deutschem Recht bemessen würden. Denn nach deutschem Recht wären die Summen lächerlich gering gewesen…und auch das gibt mir wieder zu denken.

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